Naikan in
der Resozialisierung
Bereits 1953 begann Ishin
Yoshimoto mit dem Einsatz von Naikan in japanischen Gefängnissen. Anfänglich
besuchte er selbst die Gefangenen regelmäßig. Relativ bald aber bildete er
Aufsichtsbeamte in der Methode aus. Diese führten dann selbst Naikan mit den
Strafgefangenen durch. So konnte sich Naikan sehr rasch in etwa 2/3 der japanischen
Gefängnisse verbreiten und ist heute noch die stärkste Resozialiserungsmethode des
Landes.
Eine Untersuchung aus den Jahren 1958 bis
1964 zeigt eindrücklich die Wirkung von Naikan als Resozialisierungsmethode. Untersucht
wurden 1851 Rückfalltäter mit Naikan-Behandlung und 7321 ohne diese therapeutische
Intervention. Die durchschnittliche Rückfallquote der Gesamtgruppe betrug im
Untersuchungszeitraum 40,4%, die der unbehandelten Straftäter 45,2% und die der
Naikan-Absolventen nur 21,6%.
Diese eindrucksvoll dokumentierte
Wirksamkeit haben auch bei uns zum Einsatz von Naikan im Strafvollzug geführt. Seit 1995
wird die Methode, dank der Initiative des Leiters Mag. Reiner in der Jugendvollzugsanstalt
in Gerasdorf, kontinuierlich eingesetzt. Jeden Monat können die jugendlichen Straftäter
Tagesnaikan üben. Dieses Resozialisierungsprogramm des Naikan-Netzwerks wird vom Naikido-Zentrum betreut.
Protokolle von Tiefeninterviews, die zur
Absicherung des Prozess-Ergebnisses durchgeführt wurden, zeigen einen beeindruckenden
Fortschritt der inneren Prozesse. Natürlich sind die Ergebnisse noch nicht
wissenschaftlich abgesichert und wir können auch nicht wie in Japan über einen
tatsächlich erfolgten Rückgang der Rückfallquoten berichten.
Doch bei der offiziellen Rückfallquote
von 75% im Bereich des Jugendvollzugs ist es auch nicht allzu schwer, bald einige Erfolge
einzufahren. Vielmehr sehe wir den wichtigsten Effekt unserer Arbeit darin, daß die
Jugendlichen in Gerasdorf ihre Zeit dort als Chance begreifen, an sich selbst zu arbeiten
und die Möglichkeiten der Anstalt konsequent zu nutzen. Darum war es für uns am Anfang
besonders wichtig, auch alle Mitarbeiter des Gefängnisses mit einzubeziehen und ihr
Einverständnis für Naikan zu erringen.
Heute ist die Naikan-Arbeit im Gefängnis
akzeptiert, sowohl von den sozialen und psychologischen Diensten als auch von den
Vollzugsbeamten. Die Naikan-Leiter können sich frei und ungehindert
in den Abteilungen
bewegen, machen die Naikan-Interviews direkt in den Zellen der Insassen und werden von den
Beamten dabei hervorragend unterstützt. Ohne deren Unterstützung würde nichts laufen -
aber mit ihrer Hilfe ist in einem Gefängnis so vieles möglich, was den Aufenthalt für
die Insassen wirklich sinnvoll macht.
Das Naikan-Netzwerk bietet in Gerasdorf
einmal monatlich ein Tages-Naikan an. Auf diese Weise ist es uns gelungen, etwa 15% der
Insassen mit Naikan in Berührung zu bringen und ihre Selbstreflexion anzuregen.
Natürlich stiegen einige nach ihrem Erstkontakt gleich wieder aus. Die Gefangenenkultur
ist nicht gerade förderlich für selbstreflektierende Prozesse, weil sie noch stärker
als unsere Gesellschaft auf Projektionsverhältnissen beruht. Doch die, die wirklich
erkannten, was durch Naikan für an Selbsterkenntnis und Selbstarbeit möglich ist, nutzen
das Instrument ganz hervorragend.
Hier einige Beispiele aus den
Tiefeninterviews. Die Teilnehmer wurden dabei die gleichen Inhalte vor und
unmittelbar nach, sowie 6 Monate nach der Übung abgefragt:
Ein jugendlicher Mörder antwortete auf
die Frage wie es ihm mit seiner Tat geht:
Vor
Naikan:
Es verblaßt - egal ist es nicht. Muß
damit leben lernen.
Nach Naikan:
Bin auf viel draufgekommen, was ich
vorher nicht sehen wollte!
6 Monate nach Naikan:
Trauer überwiegt.
Auf die Frage, wie es ihm mit sich selber
geht, antwortete er so:
Vor Naikan:
Resignation und es wird schon wieder
werden. Manchmal denke ich noch 6 Jahre, dann denke ich aber, andere habens auch
geschafft.
Nach Naikan:
Ausgeglichen! Das Verhältnis zu den
anderen Menschen und insbesondere zur Mutter ist gut. Hat mir geholfen, vieles klarer zu
sehen.
6 Monate nach Naikan:
Inzwischen geht es mir gut. Wollte mich
anfangs aufgeben. Hab aber schon ein Menschenleben verschwendet, kann nicht noch ein
zweites wegwerfen.
Ein anderer, der wegen
Drogenkriminalität ins Gefängnis kam, antwortete auf die Frage nach seinen
Zukunftaussichten so:
Vor Naikan:
Beschissen - weiß nicht, wie es
weitergehen soll. Wenn ich die Lehre fertigmache, ist es positiv. Stehe vor einer Mauer.
Die Freundin ist weg.
Nach Naikan:
Im Gefängnis ist´s leichter über .
Nach Naikan:
Bin auf viel draufgekommen, was ich
vorher nicht sehen wollte!
6 Monate nach Naikan:
Trauer überwiegt.
Auf die Frage, wie es ihm mit sich selber
geht, antwortete er so:
Vor Naikan:
Resignation und es wird schon wieder
werden. Manchmal denke ich noch 6 Jahre, dann denke ich aber, andere habens auch
geschafft.
Nach Naikan:
Ausgeglichen! Das Verhältnis zu den
anderen Menschen und insbesondere zur Mutter ist gut. Hat mir geholfen, vieles klarer zu
sehen.
6 Monate nach Naikan:
Inzwischen geht es mir gut. Wollte mich
anfangs aufgeben. Hab aber schon ein Menschenleben verschwendet, kann nicht noch ein
zweites wegwerfen.
Ein anderer, der wegen
Drogenkriminalität ins Gefängnis kam, antwortete auf die Frage nach seinen
Zukunftaussichten so:
Vor Naikan:
Beschissen - weiß nicht, wie es
weitergehen soll. Wenn ich die Lehre fertigmache, ist es positiv. Stehe vor einer Mauer.
Die Freundin ist weg.
Nach Naikan:
Im Gefängnis ist´s leichter über .
Nach Naikan:
Bin auf viel draufgekommen, was ich
vorher nicht sehen wollte!
6 Monate nach Naikan:
Trauer überwiegt.
Auf die Frage, wie es ihm mit sich selber
geht, antwortete er so:
Vor Naikan:
Resignation und es wird schon wieder
werden. Manchmal denke ich noch 6 Jahre, dann denke ich aber, andere habens auch
geschafft.
Nach Naikan:
Ausgeglichen! Das Verhältnis zu den
anderen Menschen und insbesondere zur Mutter ist gut. Hat mir geholfen, vieles klarer zu
sehen.
6 Monate nach Naikan:
Inzwischen geht es mir gut. Wollte mich
anfangs aufgeben. Hab aber schon ein Menschenleben verschwendet, kann nicht noch ein
zweites wegwerfen.
Ein anderer, der wegen
Drogenkriminalität ins Gefängnis kam, antwortete auf die Frage nach seinen
Zukunftaussichten so:
Vor Naikan:
Beschissen - weiß nicht, wie es
weitergehen soll. Wenn ich die Lehre fertigmache, ist es positiv. Stehe vor einer Mauer.
Die Freundin ist weg.
Nach Naikan:
Im Gefängnis ist´s leichter über
Im Gefängnis ist´s leichter über
Im Gefängnis ist´s leichter über
ders aus. Doch glaube ich ziemlich sicher zu
wissen, daß ich nicht mehr ins Gefängnis gehe.
6 Monate nach Naikan:
Weil ich freiwillig in die Haft gegangen bin, habe ich das Gefühl, mir hier eine gute
Ausgangsposition für die Lehre und die Drogentherapie geschafft zu haben.
Gerasdorf ist ein sehr ermutigendes Beispiel für die Möglichkeit,
durch eine einfache Maßnahme das Klima in einer Anstalt entscheidend zu verbessern und
zugleich den Insassen, die wirklich an sich arbeiten wollen, eine neue Möglichkeit
aufzutun, die leicht zu realisieren und mit wenig Kosten verbunden ist.
Texte:
(auf der Seite
www.naikan.de)
Dieter Bindzus - Akira Ishii: Strafvollzug in Japan
Annette Jonas: Innerer Wandel im Knast
Toda Naoyoshi: Bekenntnisse vor
der Hinrichtung
Hashiguchi Hashimoto Yushin: Wandlung eines
Mafia-Chefs
Josef Hartl: Der meditierende
Häftling
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