Naikan und
Kunst
Naikan zielt mit seiner Methode direkt auf das Lebenskontinuum in uns. Es ist die
gleiche Ebene, die auch echte Kunst hervorbringt jener vorsprachliche, kraftvolle
und unmittelbare Erlebensraum, den jeder von uns in sich trägt. Wenn wir der Sehnsucht in
uns nach einer authentischen, ursprünglichen Lebensform folgen, dann finden wir als
einzige Ausdrucksform oft nur mehr jene der Kunst. Viele Naikan-Übende drücken sich
daher nach der Erfahrung auf eine poetische, metaphorische Weise aus, weil sie anders
ihrem inneren Erleben keine Sprache mehr geben können. In und durch Naikan entstehen oft
innere und äußere Bilderzyklen von unmittelbarer Wucht und Betroffenheit, die
verstanden, aber nicht erklärt werden können. Bei Musikern drückt sich dann das Erleben
des Tons in Intensität und Lebendigkeit aus. Schriftsteller gelangen zu einer Wortkraft,
die mehr transportiert als nur eine Geschichte und ihre Deutung. Andererseits kann durch
das Naikan-Erleben wirkliche Kunst direkt und unmittelbar angenommen werden. Ein Bild
macht dann auf ganz tiefe Weise betroffen. Ein Musikstück rührt zu Tränen oder weckt
tiefe Freude. Worte gelangen auf einer unmittelbaren Ebene direkt in den Leser. Das
Erleben von Kunst wird nach Naikan genauso intensiv, wie wir nach einer Naikan-Woche die
Natur um uns herum aufnehmen können. Wir sind uneingeschränkt verbunden mit dem
Geschehen. Der kommentierende, urteilende Beobachter verliert seinen Filtercharakter und
läßt passieren, was an authentischer Mitteilung uns erreicht der Duft einer
Blume, der Ton einer Stimme, die Rauheit einer Baumrinde, die Weichheit des Bodens, das
Wesen des Malers oder Dichters, das Streicheln des Windes.
Wir leben unmittelbarer nach Naikan. Wir erleben unmittelbarer nach Naikan. Wir teilen
uns unmittelbarer mit. Die uralte Sehnsucht des Menschen, sich in seinen Werken zu
verwirklichen und sich anderen vorsprachlich, direkt und spontan mitzuteilen, wird durch
das Erleben von Naikan auf eine ursprüngliche Weise erfüllt. Ein Prozess, der auch auf
anderen Wegen, eben zum Beispiel über hochkonzentriertes Kunstschaffen, möglich ist.
Naikan reinigt die Sinneskanäle von emotionalen und psychogenen Ballaststoffen und macht
uns dadurch aufnahmebereiter. Sowohl für die Kunstimpulse in uns als auch für jene, die
uns von außen erreichen.
Künstler
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