Franz Ritter
1947 wurde ich in Wien geboren. Meine Mutter stammte aus Deutschland, mein Vater zum größten Teil aus Ungarn - also bin ich eine echt österreichische Mischung, wie so viele in diesem Land. Ich lebe gerne hier in Österreich, versteh mich aber einfach als Bürger unserer gemeinsamen Welt. Mein Leben war immer von zwei Zweigen geprägt. Dem ganz normalen alltäglichen Leben, der einen Beruf bedeutet, Familie, Verpflichtungen. Der andere Zweig war ein starkes spirituelles Interesse, schon von der Kindheit an. Damals war es natürlich das christliche Weltbild, das mich beeinflusste, vor allem die Gestalt von Jesus, an der mich aber nur eines interessierte - so zu werden wie er. Später kam ich dann einerseits mit moderner abendländischer Philosophie in Kontakt, andererseits mit fernöstlicher Mystik. Von unseren Philosophen war es Jean-Paul Sartre, der mich schon sehr früh ergriff und rüttelte. Von den östlichen Traditionen war es vor allem der Buddhismus in unterschiedlichen Ausprägungen. Aber auch Taoismus und seine Kind mit der buddhistischen Lehre, der Chan (jap. Zen), formten meinen Geist. Trotz allem blieb ich aber hier nicht in Formen stehen, sondern suche immer die Essenz zu erkennen und zu verwirklichen. Zwischen 1975 und 1986 baute ich (mit der Hilfe von vielen Freunden) das buddhistische Zentrum in Scheibbs auf. Dort konnte ich direkten und auch privaten Kontakt mit vielen buddhistischen und anderen spirituellen Lehrern halten. In der selben Zeit habe ich mich auch als Psychotherapeut und in humanistischer Psychologie ausgebildet. Auf diesen Fundamenten ruht seither meine Arbeit mit Menschen. Die wichtigste Begegnung in dieser Zeit war aber die mit der Methode Naikan. Mein Freund Akira Ihsii brachte Naikan auf meine Initiative hin nach Scheibbs. Wir beide können uns seither über die positive Entwicklung der Methode in Europa freuen. Heute wird meine Wirklichkeit von meiner Arbeit in der Wirtschaft - als Coach und Persönlichkeitstrainer - und von meinen Aufgaben als Naikan-Leiter bestimmt. Beides nimmt mich sehr in Anspruch, beides macht mir sehr viel Freude und beides regt meine eigene Entwicklung ununterbrochen an. Die Arbeit in der Wirtschaftswelt konfrontiert mich immer wieder mit Fragen nach dem Sinn des Lebens, den ich dann gemeinsam mit dem Fragenden zu ergründen suche. Und die eine Woche Naikan, die ich jeden Monat in unserem Zentrum leite, wirft mich immer wieder auf mich selbst zurück, schenkt mir aber auch tiefe Ruhe und einen ununterbrochenen Quell von Einsicht. Ich denke, ich kann zufrieden sein mit dem, was bisher aus meinem Leben entwachsen ist. Meine Söhne machen mir viel Freude und ich glaube, sie werden sich ein gutes Leben erfüllen. Der Buddhismus in Österreich hat sich seit meinen ersten Bemühungen (die natürlich ohne die Unterstützung vieler anderer Menschen nicht denkbar wären, wie etwa Erich Skrleta, dem Begründer der Buchhandlung Octopus, oder Fritz Hungerleider, dem langjährigen Präsidenten der BGÖ, aber vor allem auf denen von Dr. Walter Karwath, dem ersten Präsidenten der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, der mein wichtigster Lehrer war) sehr breit entwickelt. Und Naikan steht heute fest und sicher da, was auch den Begründer Ishin Yoshimoto sehr gefreut hat. Ganz sicher möchte ich aber mich nicht auf diesen Entwicklungen ausruhen. Ein Satz von Angelus Silesius hat sich zu meinen Lebensmotto entwickelt: "Freund, so du etwa bist, so bleib doch ja nicht stehn: man muss aus einem Licht fort in das andre gehn." Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit. |