INA-Symposium
2001
Wege
nach Innen
Das
INA-Symposium 2001 war der erfolgreiche Auftakt für eine hoffentlich
wiederkehrende Reihe von Veranstaltungen, die dem reflektierenden Moment
in unserer Gesellschaft dienen sollen. Trotz des belasteten Weltklimas,
das besonders durch die nahe amerikanische Botschaft repräsentiert wurde,
gelangt es, die wesentlichen
Punkte des Themas herauszuarbeiten. Vielleicht war gerade die aufgeheizte
Rachestimmung nach den entsetzlichen Attentaten in den USA ein besonderer
Hintergrund, der die Wichtigkeit des Themas Innenwendung und
Selbstverantwortung noch verstärkte.
Dieses
Symposium nahm sich die Verbindungen und Unterschiede zwischen den drei
Schwestern Psychotherapie, Meditation und Innenschau zum Thema. Durch die
Absage von Armin Morich aus Dresden wurde die Verbindung zwischen Naikan
und Psychotherapie leider nicht stark genug vertreten. Doch entschädigten
die anderen Beiträge das Publikum mit Brillanz und persönlichen
Aussagen. Der ebenfalls fehlende buddhistische Bhikkhu Seelavansa wurde
durch Christoph Köck hervorragend ersetzt.

Am
Freitag Abend eröffnete Gabriele Hofstätter mit einem persönlichen
Statement und einer tiefsinnigen Geschichte aus Asien das Symposium. Sie
moderierte die Veranstaltung souverän und sicher und gab ihr damit einen
starken Rahmen, in dem sich die Vortragenden entfalten konnten. Ryohei
Kamiwatari begann seine Ausführungen mit seiner persönlichen
Lebensgeschichte, die ihn nach dem Abbruch des Studiums (womit er seinen
Eltern tiefes Leid zufügte) auch 7 Jahre in die westliche Welt führte.
Dabei besuchte er viele spirituelle Zentren wie Findhorn und kam mit
geistigen Größen in Berührung. Er setzte sich später in seinem
schriftstellerischen Werk mit großen spirituellen Persönlichkeiten
auseinander, die auch gesellschaftliche Arbeit leisteten. So lebte er
einige Wochen bei Mutter Teresa in Kalkutta und begleitete sie bei ihrem
Tagwerk. Die Kultur der Stille wurde von Herrn Kamiwatari nicht historisch
betrachtetet, sondern in der heutigen Gesellschaft aufgespürt. Durch
seinen Beitrag legte er auch einige ihrer Wurzeln dar. Damit wurde eine
besondere Dimension der neuen, weltumspannenden Global-Kultur spürbar und
begreifbar.

Den
2. Tag eröffnete Franz Ritter mit seinem Beitrag über Psychotherapie,
Meditation und Innenschau. Diese drei Stränge haben sich in seinem Leben
zu einer eng verwobenen Helix verbunden, die sich durch ihre drei Fäden
befruchtet und bereichert. Von allerersten Meditationskursen Ende der
sechziger Jahre über die Gründung des Buddhistischen Zentrums in
Scheibbs bis hin zur Naikan-Bewegung in Europa zog sich dieser
biografische Faden. Jedes dieser Elemente hat seine Meriten, keines ist
ein Allheilmittel, aber persönlich legte er ein Bekenntnis zu Naikan ab,
das für ihn das entscheidende Werkzeug der Selbstentwicklung wurde.

Felix
Fischer erzählte aus seinem Leben als Arzt, Psychotherapeut und
Zen-Praktikant. Er wurde vor kurzem von Richard Baker Roshi als Schüler
angenommen und erlebt seine Zen-Praxis als wertvolles Pendant zu seiner
therapeutischen Tätigkeit, ohne den Einfluss zu übersteigern. „Zen ist
keine Psychotherapie“ betonte er und legte dar, dass Meditation nur für
einen gesunden Geist ist und durch Zazen keine Neurosen geheilt werden.
Trotzdem gibt es Elemente, wie Sorgfalt und Exaktheit, die er aus dem
„Gesamtkunstwerk“ Zen-Sesshin mit in seinem Beruf hineinnimmt.
Adolf
Holl widmete seinen Beitrag einem Menschen, der nach seiner Meinung im
deutschsprachigen Raum viel zu wenig gewürdigt wird. „Das Licht im
Zentrum“ (The Light in the Center) ist ein Buch von Agehananda Bharati,
der in Wien unter dem Namen Leopold Fischer geboren wurde. Bharati wurde
schon als Kind von der indischen Welt magisch angezogen und tauchte auch
sehr bald in mystische Erlebnisse ein. Mit 12 Jahren hatte er seine erste
„zero-expirience“, wie Bahrati diesen Zustand nannte. Noch weitere 4 x
tauchte er in dieses Erleben ein, das er in seinen beiden
englischsprachigen Büchern beschrieben hat. Beide warten noch auf eine
deutsche Entdeckung. Anhand des Werkes von Agehananda Barahti führte
Adolf Holl eine Reihe von interessanten Begriffen ein, die seiner Meinung
nach auch zum Thema dieses Symposium gehören: Das privilegierte Wissen,
die Unterscheidung von diskursiven und non-diskursiven Denkens und den
Begriff der Initiation in den psychotherapeutischen Schulen (anhand der
Genealogie der Freud-Schule). Bharati hat in seinem Leben seine mystische
Erfahrung stets getrennt von seiner wissenschaftlichen Arbeit behandelt
und forderte diese Trennung auch bei anderen Größen der anthropologischen Forschung ein. Für ihn ist
mystische Erfahrung nichts, was mitteilbar wäre und bleibt daher der
privaten Sphäre zugehörig. Trotzdem war es natürlich für sein persönliches
Leben höchst wirksam, da er seine eigene tägliche Tätigkeit als
„Unfug“ bezeichnete, den er nichtsdestotrotz mit höchster Präzision
ausführte.
Akira
Ishii legt dann die Grundzüge der Naikan-Methode dar. Er stellte den
Rahmen und die Arbeit mit den drei Fragen in den Mittelpunkt seine Ausführungen,
zeigte jedoch die Auswirkungen der Naikan-Erfahrung anhand seines eigenen
Lebensweges auf. Drei Naikan-Erfahrene aus dem Publikum unterstützten
seinen Vortrag durch ihre persönlichen Statements, so dass mit Fortdauer
des Vortrags die Wirkweise der Methode, aber auch die Tiefendimension der
Naikan-Erfahrung immer klarer wurden. Am Ende lud Ishii-Sensei alle
Anwesenden ein, über ihren Tod zu meditieren und führte sie in einer
begleitete Sterbeübung durch diese Erfahrung.
Köck sprach in einem sehr persönlichen Vortrag von seinen Erfahrungen
als buddhistischer Mönch und der meditativen Praxis der Waldschule, der
er 17 Jahre lang angehörte. Es gelang ihm wunderbar, immer wieder das Überpersönliche
in seinen eigenen Erfahrungen herauszuarbeiten und darzulegen. Die
Ambivalenz der Erinnerungsarbeit, die ja die Basis im Naikan ist, legte er
anschaulich dar und verwies auf das
uralte psychologische Wissen der buddhistischen Lehrreden. Die Tiefe
seiner Darlegungen berührte sehr, weil er über nichts sprach, was er
nicht persönlich schon erlebt hatte und auch nicht versuchte , sich nur
in die Theorie zu flüchten, um der Konfrontation mit dem eigenen
Erfahrungsstand auszuweichen. Ganz im Gegenteil, seine schonungslose
Selbstoffenbarung schlug die Brücke zu einem Satz, den Kamiwatari-Sensei
ganz am Anfang des Symposiums sagte: „Die Menschen vertrauen nur solchen
Lehrern, die selbst immer weiter gehen.“

Zusammengefasst
wurde die Stimmung und die Wirkung des Symposiums durch das Feedback eines
Teilnehmers: „Ich habe noch nie bei einem Symposium eine so geballte
Authentizität erlebt.“
Herzlichen
Dank an alle Vortragenden, an Gabriele Hofstätter für ihre Moderation
und an Ortrun und Elke für ihre organisatorische Begleitung.
In Kürze wird es
Tonbandkopien der Vorträge auf dieser Homepage zu bestellen geben. Wir bitten noch um etwas Geduld. |