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Ishin Yoshimoto

Yosh-wasistN.gif (89935 Byte)

Wenn man mich fragt, was Naikan letztendlich ist:

 

Sich überlassend

den Herzen der Menschen,

die ihn betrachten

steht der Herbstmond

am Nachthimmel

in der Höhe

 

Wenn man mit traurigen Augen hinaufblickt

ist der Mond traurig und einsam

 

Wenn man ihn anschaut, während man sich freut,

kann man ihn mit großer Freude und Dankbarkeit sehen

 

Wenn man das Buch über Naikan

in die richtige Abteilung

der Bibliothek einreihen will:

 

„Psychologie ist eine Wissenschaft,

die Menschen zu ändern.

Naikan ändert auch die Menschen.

Wollen wir das Buch über Naikan

in die Abteilung für Psychologie stellen?"

 

„Nein, das Buch muss zur Pädagogik.

Naikan ist eine Ausbildung.

Weil man Naikan eine Ausbildung nennt,

deshalb muss es in die Abteilung Pädagogik."

 

„Es ist das beste Mittel, die Tugend zu fördern."

 

„Nein, es ist doch eine Religion.

Weil wir gleichtun, was der Buddha machte.

Es ist der Kern der Religion."

 

„Nein, es ist Moral und Ethik.

Es ist besser, das Buch

in die Abteilung für Moral und Ethik zu stellen."

 

Letzten Endes gibt es keinen Platz, an dem man das Buch endgültig stellen kann.

Es bleibt also kein anderer Weg, als zu sagen, daß Naikan letztendlich Naikan ist.

 

Naikan muß sich keinen Platz erobern, um auszudrücken, was es ist. Es ist eine Technik, eine Übung, eine Art von Training, „sich selbst zu erkennen". Und es ist je nach dem, wie man Naikan sieht: „ Ah, das ist Medizin. Naikan ist eine Medizin!". Gut so. Wenn jemand gegen das Wort „Naikan (nach Innen schauen)" Widerstand hat, weil es zu religiös klingt, kann man es ruhig auch „Selbstbeobachtungsmethode" oder „Selbsteinsichtsmethode" nennen.

In einem Buch über Naikan und geistige Gesundheit schrieb Herr Dr. Takemoto, der Leiter einer großen psychiatrischen Klinik, einen Artikel über „Naikan und Medizin". Er schrieb als Arzt, aber ich war überrascht, daß er als Arzt Naikan auf eine tiefergehende Art beschreibt als das etwa ein Geistlicher tun würde. Es ist nicht wichtig, zu bestimmen, wo Naikan zugehörig ist. Wenn die Menschen durch Naikan glücklich werden, so genügt das. Wenn die Menschen durch Naikan befreit werden, so ist das wirklich genug. Die Klassifikation von Naikan ist nebensächlich.

„Wie wird man befreit?"

Im Buddhismus nennt man das Ego die dunkelste Ecke der Dunkelheit. Dieses Ego zu zerstören, wenn auch vielleicht nur einen kleinen Teil davon, ist das Ziel von Naikan. Das ist auch das Ziel, warum wir Menschen auf dieser Erde geboren werden. Diese Dunkelheit ist ein furchtbarer Zustand, der uns immer tiefer hinunter zieht. Um die Macht des Egos zu verkleinern, gibt es keinen anderen Weg, als uns selbst unsere Verfehlungen einzugestehen. Wenn wir unsere Verfehlungen erkennen und unsere Unzulänglichkeit eingestehen, dann können wir die Güte unserer Eltern, die Güte unserer Umgebung und die Güte der menschlichen Gesellschaft verstehen. Und dann können wir aus tiefsten Herzen verstehen, dass wir immer schon in einer gütigen Welt gelebt haben.

 

Naikan ist nicht etwas, dass wir über den Kopf lernen können.

Wir müssen es mit unseren ganzen Wesen verstehen lernen -

so wie wir schwimmen lernen.

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